In den Tagen, als die Welt noch jung war und die Menschheit ihre ersten Schritte in der kulinarischen Kunst wagte, lebte ein junger Mann namens Abel. Er war ein Schäfer von Beruf und ein Feinschmecker im Herzen. Seine Schafe waren ihm lieb, doch seine wahre Leidenschaft galt den Ziegen – oder genauer gesagt, dem köstlichen Käse, den er aus ihrer Milch herstellte.
Eines Tages, kurz bevor die familiären Spannungen zu einem tragischen Höhepunkt führten (und wir sprechen hier nicht von einer harmlosen Auseinandersetzung über das Abendessen), beschloss Abel, sich der Herstellung eines ganz besonderen Ziegenkäses zu widmen. Vielleicht konnte er damit sogar seinen brummigen Bruder Kain besänftigen.
Mit einer Engelsgeduld, die man ihm nicht oft genug nachsagen konnte, melkte Abel seine beste Ziege – eine stattliche Dame mit einem Bart so majestätisch wie der eines Propheten. Die frische Milch ließ er in einem groben Tongefäß ruhen, während er sich fragte, ob es wohl einen Himmel für Ziegen gab.
Als die Milch zu gerinnen begann – ein Vorgang so mysteriös und wundersam wie das Lächeln Evas beim Anblick einer besonders schönen Dattel – fügte Abel etwas Lab hinzu. Das Lab hatte er aus dem Magen eines jungen Lammes gewonnen, was bei den Lämmern selbstverständlich weniger Begeisterung auslöste.
Nun musste der Bruch von der Molke getrennt werden. Abel tat dies mit einer Sorgfalt, als würde er die Wolle seiner Schafe sortieren – weiß von fast weiß und schwarz von pechschwarz.
Rezept für Abels himmlischen Ziegenkäse:
- Melke eine geduldige Ziege (und versuche dabei nicht an Kains finsteres Gesicht zu denken).
- Lass die Milch in einem Tongefäß zur Ruhe kommen (und hoffe darauf, dass auch deine Gedanken zur Ruhe kommen).
- Füge Lab hinzu (und stelle dir vor, es könnte auch die Risse zwischen dir und deinem Bruder kitten).
- Trenne den Bruch sorgfältig von der Molke (so wie du dich von schlechten Gefühlen trennen würdest).
- Presse den Bruch in Formen (und presse dabei auch deine Hoffnung auf Versöhnung hinein).
- Lagere den Käse an einem kühlen Ort (und bewahre dabei dein kühles Gemüt).
Als Abel seinen Käse fertiggestellt hatte und ihn voller Stolz betrachtete, hätte er schwören können, dass selbst Kain davon beeindruckt sein würde. Doch das Schicksal hatte andere Pläne…
So endet unsere Geschichte über Abels letztes kulinarisches Werk – ein Ziegenkäse so rein und unschuldig wie sein Schöpfer selbst. Und während wir heute diesen Käse nach alter Väter Sitte herstellen können, sollten wir uns daran erinnern: Manche Rezepte sind mehr als nur Anweisungen; sie sind Zeugen einer längst vergangenen Zeit und ihrer Geschichten.



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